Deutsch-Russischer Jugendaustausch: Verständigung durch Austausch der Perspektiven und Zusammenarbeit im Bereich Geschichte fördern

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Unter dem Motto „70 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs: Jugendaustausch, Verständigung, gemeinsame Zukunft“ wurden am 5. Juni 2015 in Moskau die Themenjahre zur Auseinandersetzung mit der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg eröffnet. Drei Tage lang tauschten sich etwa 90 VertreterInnen verschiedener Schulen, Organisationen und Projekte aus Deutschland und Russland aus und entwickelten Ideen für zukünftige Begegnungsmaßnahmen. Roman Elsner, Projektleiter für die Koordination der Austauschmaßnahmen im Rahmen der Berlin-Moskau-Städtepartnerschaft im Bereich der Familien- und Jugendpolitik nahm in Vertretung für den Deutsch-Russischen Austausch e. V. und die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin teil.

Die Themenjahre sind eine gemeinsame Initiative der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch und des russischen Koordinierungsbüros für den Jugendaustausch mit Deutschland. Ziel ist es die verschiedenen Akteure des Jugendaustauschs stärker in der Auseinandersetzung mit der schwierigen Thematik des 2. Weltkriegs einzubinden und die deutsch-russische Zusammenarbeit zu historischen Themen zu intensivieren.

Zur Eröffnungsveranstaltung im „Zentralmuseum des Großen Vaterländischen Krieges“ sprachen Venjamin Kaganov (Stellvertretender Minister im Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Russischen Föderation), Bettina Bundszus-Cecere (Abteilungsleiterin Kinder und Jugend des BMFSFJ), Sergej Pospelov (Leiter der Föderalen Agentur für Jugendfragen der RF) und Andreas Meitzner (Beauftragter für Auswärtige Kulturpolitik, Auslandsschulen und Netzwerk Deutsch im Auswärtigen Amt)

Die unterschiedlichen Erinnerungskulturen traten hierbei bereits bei den Grußworten der jeweiligen Vertreter zu Tage. Betonten die deutschen Vertreter vor allem das Ende und die Aufarbeitung des Krieges, erhielt auf russischer Seite insbesondere der Sieg über den Faschismus eine besondere Stellung.

Eine tiefere Herausarbeitung der Erinnerungskulturen zum 2. Weltkrieg in Deutschland und in Russland erfolgte darüber hinaus in zwei Fachvorträgen im Anschluss der Eröffnung durch Dr. habil. Birgit Schwelling (Kulturwissenschaftliches Institut Essen) und Vladimir Rudakov (Chefredakteur der Zeitschrift „Geschichte“). Erstere charakterisierte dabei die deutsche Erinnerungskultur als eine „postheroische Erinnerungskultur“, wobei die Erinnerung an die deutschen Verbrechen kein endender Prozess ist. Rudakov schilderte eingangs die unterschiedlichen Etappen und Bedeutung der Erinnerung an den 2. Weltkrieg, welche unter Leonid Breschnew und nun unter Wladimir Putin an Bedeutung gewonnen hat.

Die anschließende „Opferdebatte“ offenbarte deutliche Unterschiede in der Geschichtswahrnehmung in Deutschland und Russland. Bundespräsident Gauck, so Schwelling, betonte in seiner Rede anlässlich des Gedenkens zum Ende des Zweiten Weltkriegs, dass sich der Tod von Millionen sowjetischer Kriegsgefangener lange Zeit in einer Art Erinnerungsschatten der deutschen Gesellschaft befand. Auffallend während der Veranstaltung war dabei auf russischer Seite die Vereinnahmung der ca. 27. Mio. Kriegsopfer als Kriegsopfer Russlands („27 Mio. Kriegsopfer in unserem Land“), welche jedoch die ganze Sowjetunion zu tragen hatte.

Welche Rolle das gemeinsame Erinnern an den 2. Weltkrieg im Jugendaustausch haben kann, wurde im Anschluss der Fachvorträge im Rahmen einer Podiumsdiskussion erläutert. Gelegenheit zum Austausch und Anregungen für neue Projektideen gab es in verschiedenen Workshops, die am 6. und 7. Juni das Thema vertiefend behandelten.

Zum Abschluss wurde durch das Konsulat der Deutschen Botschaft über die geplante Einführung des Visainformationssystems (VIS) für Antragsteller aus der Russischen Föderation ab dem 14. September 2015 informiert. Eine Einführung des VIS für die Staaten der östlichen Partnerschaft erfolgt dabei bereits ab dem 23. Juni 2015. Alle TeilnehmerInnen an der Veranstaltung in Moskau waren sich darüber einig, dass ungeachtet aller Bekenntnisse der Politik zur Aufrechterhaltung der zivilgesellschaftlichen Beziehungen zu Russland, durch die Einführung des VIS, eben diese jedoch nun erheblich erschwert und behindert werden. Im Interesse einer Weiterführung des deutsch-russischen Jugendaustauschs fordern daher die TeilnehmerInnen der Veranstaltung in einer gemeinsamen Resolution, eine Ausnahme für Kinder- und Jugendliche zu schaffen.

Das Programm der Veranstaltung sowie der Vortrag von Dr. habil. Schwelling ist auf der Seite der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch unter http://www.stiftung-drja.de/themenjahre-2015-16/ einzusehen.

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Posted on June 22, 2015, in Allgemeine Information / Генеральная информация. Bookmark the permalink. Leave a comment.

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